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  • Sascha Nikolas Berger

Eine Frage die es in sich hat...

Die Sonntag-Abendmesse entwickelt sich in letzter Zeit zunehmend zu einer Nach(t)-Arbeit für mich - gut so. Auch in der letzten Nacht hatte ich wieder eine kleine Nach-Arbeit im Kopf.


"...Für wen halten mich die Leute?"

(Lk. 9,18 ff)


Soweit der kleine Auszug aus dem gestrigen Evangelium zum Sonntag.


Ich bin an genau diesen Worten hängen geblieben, warum ausgerechnet an diesen, vermag ich nicht zu sagen, denn das gestrige Tagesevangelium bietet an einigen Stellen ja noch ausreichend Material zur Diskussion, führt einen durch gezielte Fragen an einen Punkt persönlicher Überlegungen, die unter Umständen schmerzhaft sein können.


Da ist für mich allerdings erst einmal die obige Frage Jesu nach dem "Wahrgenommensein" mit der für MICH auch die Frage zu stellen ist, wie ICH die Menschen um mich herum wahrnehme, welchen Stempel meiner Wahrnehmung ICH ihnen aufdrücke, welche Mauern ICH um jene Menschen baue?


Warum "katalogisiere" ICH die Menschen die mir begegnen und ordne sie entsprechend in meinem Kopf ein? Die reflektorische Antwort eines Verhaltenspsychologen ist mir schon klar. Aber genau diesem Automatismus gilt es auch auf den Grund zu gehen, nachzuspüren, versuchen zu verstehen, woher jener Automatismus "gefüttert" wird.

Bleibt es beim katalogisieren im Kopf oder verstärke ICH das ganze eventuell sogar, indem ich jenen Menschen einen "Wert" zuweise?

Woher kommt MEINE Angewohnheit, Menschen zu Be- oder sogar zu Ent-werten und auf welcher Grundlage geschieht das IN MIR überhaupt?

Bin ICH mir der Schärfe und Härte dieser Handlung bewusst? Wann habe ich für MICH die Frage zu einem "Für wen halte ICH die Leute" verändert?

Im fortlaufenden Text des Evangeliums geht es noch weiter, da ist die Rede von Nachfolge, von Selbstverleugnung, vom täglichen Kreuz, vom Leben...

Brandgefährliche Sätze offenbaren sich darin, die -unreflektiert und falsch verstanden- so einiges anstellen können; wahrer Zündstoff in den Mündern von Menschen, die damit nicht gut umgehen können.


Im Blick auf diese Sätze schliesst sich für mich der Kreis dieser Aussagen jedoch wieder mit der Eingangsfrage "...Für wen halten mich die Leute?"


Diese scheinbar kleine Frage ist es, zu der es mich immer wieder zurückführt.


Wenn ICH mir genau diese Frage immer wieder vor Augen halte und ICH erkenne,

an welcher Stelle ICH darauf Acht geben muss, keine Be- und Entwertungen meines Gegenübers zu implizieren, ein offenes Herz behalte und "einfach nur" auf den Menschen mir gegenüber schaue, mich darum bemühe, in ihm die gleiche innewohnende Liebe Gottes zu sehen, die auch in mir wirkt; mich immer wieder bemühe, das Abbild Gottes welches auch mir zu eigen ist, in meinem Gegenüber zu erkennen; es mir egal ist, wie/was/wer jemand ist, dann ist dies mit Sicherheit bereits ein großer Schritt in Richtung seiner Nachfolge und damit relativieren sich auch die Themen "Nachfolge, Selbstverleugnung, tägliches Kreuz tragen" - Denn dann können sie wahrlich nicht mehr falsch verstanden werden.


Wenn ich einfach nur wahrnehme und weniger bewerte, dann kann ich auch weiterhin...



...Wachsen im Glauben.



Photo © Sascha Nikolas Berger






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