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  • Sascha Nikolas Berger

Fastenzeit I - Worte

Aktualisiert: März 24

Ich gebe zu, ich habe mir in diesem Jahr erst spät Gedanken darüber gemacht, welchen Schwerpunkt ich in "meiner persönlichen" Fastenzeit legen möchte. Wir verzichten ja bereits schon auf so vieles, da ist es sicherlich nicht verwunderlich, dass die Gedanken zu einem weiteren Verzicht recht träge kamen. Rückblickend kann ich konstatieren, war in den letzten Jahren schon so einiges von dem "üblichen" dabei. Die Klassiker, man kennt sie zu genüge:

Süßigkeiten, Alkohol, Zigaretten, Autofahren und so weiter.

In unserer Welt des Überflusses und des ständig verfügbaren Angebotes um uns herum mit Sicherheit schon eine Schwierigkeit im Verzichten, permanent wird man ja quasi verleitet und verführt.

Versteht mich nicht falsch, ich werde mich auch in diesem Jahr an jene Klassiker wagen.

Nur fehlte mir dabei dennoch irgendwie ein Thema, etwas in mir war auf der Suche nach einer richtigen Herausforderung. So habe ich also seit einigen Tagen danach gesucht. Heute habe ich dann einen guten Gedanken dazu gefunden.

Mein Impuls heute Morgen war: "Sascha, beschäftige Dich mit Worten - genauer gesagt mit deinen eigenen Worten."

Ich bin nun wahrlich nicht auf den Mund gefallen, bin relativ schnell und gut darin, schlagfertig zu antworten und verbal zu reagieren. Es macht mir sogar Freude, mich in Diskussionen zu stürzen, mir verbal "(m)einen Raum" zu nehmen.

Heute Morgen jedoch fiel mir bei längerer Reflektion auf, dass ich ab und an diesen Raum sehr brachial einnehmen kann, mein Gegenüber mit einer Rede oder Gegenrede förmlich überrumpeln kann, quasi in die Ecke reden kann. Oftmals merke ich auch nicht, wie scharf und spitz meine Worte werden können, fast schon wie ein Messer.


Ich möchte daher in den nächsten Wochen ganz bewusst darauf verzichten, immer direkt und unmittelbar zu reagieren. Ich möchte die Worte, die sich oftmals bereits intuitiv als Gegenargument auf der Zunge formen während mein Gegenüber noch redet, ganz bewusst nicht aussprechen. Ich möchte darauf verzichten, immer und direkt meinen "verbalen Raum" einzunehmen. Ich möchte darauf verzichten, impulsiv zu reden.

Ich möchte "meinen Raum" ganz bewusst den anderen überlassen. Vielmehr möchte ich in den nächsten Wochen daran arbeiten, bewusst zuzuhören. Das Gehörte erst einmal "mitzunehmen", meine Antwort zu überdenken, damit meine Worte weniger scharf und weniger spitz werden können. Wer mich kennt, der weiß auch, wie schwierig das für mich wird.

Dieser Herausforderung allerdings, der möchte ich mich ganz bewusst stellen.

Mal sehen, ob und wie gut es mir gelingen wird, was es an weiteren Veränderungen mit sich bringen wird. Es hat ja auch niemand behauptet, dass die Fastenzeit ein Spaziergang ist. Ach, wenn unser eigener Glaube nur viel größer wäre...

Photo © Sascha Nikolas Berger

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