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  • Sascha Nikolas Berger

Gott trinkt anscheinend gerne Kaffee und tanzt offensichtlich auch ganz gerne...

Heute Morgen hat es mich wieder einmal auf die Strasse meiner eigenen Erinnerungen geführt.

Ab und an passiert das und es ist immer wieder spannend, welche Themen mir darauf begegnen.

Diesmal war es ein Song den ich zum ersten Mal im Sommer 1999 in Manila hörte, der mich auf den heutigen Weg schickte.


Ich erinnere mich noch sehr gut an das Jahr 1999. Es war das hektische Jahr vor der Jahrtausendwende.

Alles war irgendwie in einem spürbaren Aufbruch.

So auch ich.


Für mich war es das Jahr, in dem es zum finalen Bruch mit meiner Familie kam. Emanzipiert von der Familie hatte ich mich schon länger, aber die Ereignisse in diesem Jahr waren dann auch für mich einfach zu viel.

Das allerdings ist eine andere, ganz eigene Geschichte.


So wurde 1999 das Jahr meines persönlichen Befreiungsschrittes.

Es war mein ganz eigener, ganz bewusster Schritt in mein eigenes Leben; mit allen Konsequenzen, Herausforderungen, Verantwortungen, mit hohen und tiefen Momenten. Da war ich also mit meinen 26 Jahren nach meiner Entscheidung in meinem Sommer in Manila - schräger hätte es gar nicht sein können. Warum ich mir ausgerechnet Manila ausgesucht hatte, weiß ich gar nicht mehr so genau. Es war auf alle Fälle ein Abenteuer und der Beginn einer wunderbaren Freundschaft mit einer Stadt und ihren Menschen, die mich heute noch fasziniert und berührt. Sommer 1999 - Der Song den ich meine: "You dont't know me" Es geht darin um Wertungen & Bewertungen, um Urteile und Vorurteile...

Sommer 1999 - You don't even know me, so why do you judge my life...

Ein kleiner Club in Manila, es war voll, es war heiß, stickig, schwül. Die Bude kochte, wir alle tanzten uns den Frust aus vielfältigen Gründen aus dem Körper. Es war großartig. Ich kann kaum glauben, dass das grad erst 23 Jahre her ist. Was ist in diesen 23 Jahren alles geschehen?

Es füllt ganze Bücher. Heute Morgen, Samstag, Sascha sitzt wie immer vor den Ereignissen der vergangenen Woche und reflektiert diese. Mir hilft der Blick nach hinten, mich zu verstehen, Situationen besser zu verstehen. Ich spürte allerdings auch immer noch ein Thema von vor 2 Wochen. Da schwingt ein Gefühl von Verletztheit, ein Gefühl von Unverständnis, von Ausgrenzung mit. Ich versuche zu begreifen, warum ausgerechnet dieses Thema mich weiterhin so beschäftigt, mich nicht loslassen möchte. Ich bin dem Kern auf der Spur - es ist behaftet mit Erinnerungen an Sequenzen aus der Familie und es ist ein Thema, welches unsere Kirche grad bis an ihre Grenzen treibt. Vieles was ich an Haltungen und Meinungen in den letzten Tagen zu jenem Thema erlebte und hörte, erinnert mich sehr stark an die eigene Familie.

Ich schüttele mich kurz und schreibe mir auf einen Zettel: Sascha! Hinschauen! Wertungen, Gefühle, Verletzungen, Erinnerungen. Warum jetzt, warum derart intensiv, was ist die Botschaft dahinter? Bleib dran. So weit, so gut. Ich holte mir eine Tasse Kaffee, schmiss mich vor den Rechner, öffnete diverse Nachrichtenportale. Weltpolitik, Gesellschaftspolitik, Kirchenpolitik. Überall das gleiche - überall Unruhe, überall Wertungen, überall Urteile. Ich bekam sofort das sprichwörtliche "Kotzen" und wollte den Themen entfliehen. Ich setzte mir meine Kopfhörer auf, drückte die "play-Taste" des Rechners und mir ballerte mein Song aus dem Jahre 1999 entgegen. Ich musste sofort Grinsen! Mein Blick flog aus dem Fenster, es war immer noch sehr windig aber der Himmel war blau, die Sonne strahlte. In mir drängte sich mit einem Male der Wunsch nach einem Tänzchen auf.

"Vielleicht sollten wir alle einfach viel häufiger Tanzen" - dachte ich mir. "Allerdings wird es mit Tanzen alleine nicht zu richten sein" - dachte ich ebenfalls in mich hinein. "Ich weiß" - sagte eine innere Stimme auf einmal zu mir,

"und jetzt lass uns trotzdem einfach eine Runde tanzen." "Wie auch immer" - dachte ich mir und startete tanzend in den Tag; es fühlte sich richtig gut an.

Mein Blick fiel auf ein Buch neben meinem Rechner, ich bekam es vor ein paar Tagen von einem Freund zu meinem Geburtstag geschenkt; es trägt den Titel "Wenn Gott zum Kaffee kommt" - wieder musste ich schmunzeln.


Wieder war da diese innere Stimme - "Mit Dir tanze ich halt gerne - und am liebsten auch mal aus der Rolle"


So ließ ich mich also über das Parkett führen und bot mich an, mit allem was ich bin, was ich sein kann und mit allem was ich habe. Jetzt sitze ich hier und schreibe diese Zeilen, ich fühle sehr deutlich, wie etwas in mir wächst, wie in mir der Wunsch stärker wird, etwas neues gestalten zu wollen, mich stärker einbringen zu wollen, fast fühlt es sich wie ein Auftrag an. Ich schaue noch einmal auf den heutigen Morgen und sehe, wie wir beim Tanzen lächeln.

Ab und an einfach mal ein Tänzchen wagen und dabei gute Laune bekommen und ..


Wachsen im Glauben...

Photo © Sascha Nikolas Berger





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