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  • Sascha Nikolas Berger

Gründonnerstag 2022

Aktualisiert: 17. Apr.

Impuls für die KHG Mainz, St. Albertus

Gründonnerstag, 14. April 2022 Gründonnerstag Hoher Donnerstag Messe vom letzten Abendmahl So viele Namen. So viele Bedeutungen. So viele Bilder in unseren jeweiligen Köpfen für diesen Tag. Es geschah eine ganze Menge an jenem Abend. Tisch, Weggefährten, Brot, Wein, alles war da. Herrlich. An diesem Tisch - Platz für alle, alle Willkommen. Weggefährten dienlich sein, die Ehre erweisen. nicht Bedienung, sondern Hingabe. Die Füße waschen. Allen an diesem Tisch – an diesem Tisch. Einfach dienen. Hingabe aus Liebe. Vollkommener Liebe, kein „oben und unten“ keine Be- oder gar Ent-wertung Heute noch schwer zu verstehen.

Abend vor dem großen Pascha-Fest.

Abend vor seinem Martyrium. Er wusste was kommen würde. Er hätte weglaufen können, aber er blieb, an seinem Tisch, mit seinen Weggefährten. Er teilt, Brot und Wein. Einfache Dinge,

durch gemeinsames Teilen in etwas kostbares verwandelt. Er teilt einfach, auch mit dem Verräter am Tisch. Zuversicht im Bewusstsein des nahenden Todes, fast schon unglaublich. Tisch – Mahl – Gemeinschaft- Hingabe – Liebe – Verrat – Teilen – Zuversicht Wenn wir heute rund um seinen Tisch sitzen, was geht uns da durch den Kopf, wenn wir die anderen Gäste am Tisch sehen? Teilen wir mit Hingabe oder Teilen wir vielleicht manchmal einfach aus? Wer hat sich selbst schon einmal mit den folgenden Fragen im Kopf erwischt: Diese exzentrische Person an seinem Tisch? Warum?

Du bist doch geschieden? Was willst Du an seinem Tisch? Hast du nicht alles verloren, bist gescheitert, hast gesellschaftlich versagt, bist bankrott? Was wagst du dich an diesen Tisch? Du bist doch wiederverheiratet? Also Du traust Dich was, an diesen Tisch zu treten. Du? Ohne Ausbildung, ohne Abschluss, ohne Job? Da könnte ja jeder einfach so an diesen Tisch kommen. Du bist doch krank, an Seele und Psyche! Was genau willst du denn hier an diesem Tisch? Du entsprichst doch nicht der Norm, hast keine klare Rolle im Leben. Warum bist Du hier an diesem Tisch? Du bist doch lesbisch, schwul, bisexuell, transgender, transsexuell, intersexuell, queer, unbestimmt! Warum kommst du einfach an seinen Tisch, bist du überhaupt eingeladen? Fragen! Aus uns geboren, manchmal spitz wie Dornen oder scharf wie eine Lanze. Verletzend. Ausgrenzend. Alles andere als einladend. Kein Brot, kein Wein. Diesen Fragen gilt es nachzugehen, nachzuspüren.

Sollten wir uns nicht lieber fragen: Warum reglementieren wir in seiner Nachfolge die Plätze an seinem Tisch?

Wieso denken wir, sollten wir den Zugang zu seinem Tisch steuern?

Wir selbst sind doch Eingeladene.

Zurück zum Abend.

Das Mahl beendet. Nacht zog auf, Dunkelheit brach an, wie auch jetzt. In der Dunkelheit seiner letzten Nacht warteten viele Gedanken und Fragen – und der Kuss des Verräters. Heute Nacht will ich Wache halten, über meine Gedanken, meine Fragen und will versuchen seiner unbegreiflichen Hingabe und Liebe nachzuspüren. Einfach Diener sein, in der Dunkelheit Verrat. Die Füße waschen...



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