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  • Sascha Nikolas Berger

Grund zur Klage...

Aktualisiert: 29. Aug.

Bei den einen schaut Gott gerne auf einen Kaffee vorbei,

andere trinken gerne ein Tässchen Tee mit ihm; wiederum anderen begegnet er in der absoluten Stille, manchen mitten im pulsierenden Leben, einem anderen vielleicht hinter dicken Mauern. Vielfältig eben.


Ich meine sehr deutlich zu spüren, dass er mir am liebsten über Textzeilen in meinem täglichen Musikprogramm begegnet. Auch heute Morgen wieder einmal. Aber vorher durfte er sich erst einmal eine ganze Menge anhören.

Seit Wochen geht es mir nicht gut.

Mein Kopf fährt Achterbahn und ich hatte bislang keinen Weg gefunden, aus dieser Fahrt auszusteigen.


In den letzten Tagen quält mich zusätzlich eine lähmende Schwere in meinem Kopf, hängt an (m)einem Thema fest – Familie.


Lange Vergangenes quält mich bis ins Heute, schmeißt sich immer wieder mit Gewalt in mein jetziges Leben, bremst mich aus, bringt mich ins Stolpern, entfaltet wieder und wieder seine zerstörerische Kraft.


„Es muss raus, Sascha; du musst Dich endlich davon lösen“ - Worte einer guten Freundin.

Sie klingen einfach und sind doch so schwer.

Ich hörte sie bislang sehr wohl, lief aber immer wieder vor ihnen fort.

Klassische Übersprungshandlung halt.


Jetzt aber ist es wohl an der Zeit, das Thema scheint im wahrsten Sinne des Wortes reif zu sein.


Mein Körper schaltete in den letzten Tagen erst in den Warnmodus und dann in eine „Vollbremsung“ und bescherte mir einen fulminanten Hautauschlag am gesamten Körper. Es brennt, es juckt, es ist in Bewegung, es treibt mich in den Wahnsinn.

Vollkommen irre welche Macht die Seele über den Körper hat.


„Das Thema brennt, Sascha; fang an“ - richtig, wieder die Worte jener guten Freundin.


Heute Morgen in meiner „me-time“ gab es keine Worte von Dank, keine Meditation über schöne Dinge; oh nein, ich schaltete sofort in den Klagemodus und mir fiel so eine ganze Menge wieder ein. All die Ungerechtigkeiten, all der Schmerz, besonders die Gewalt des Vaters, mein Allein-Sein als Kind, die drakonischen Strafen, die Stunden im Schmerz.

Ich hatte das Gefühl, ich hätte sämtliche Ritzen der Klagemauer füllen können.

Aber mit jedem Satz wurde mir leichter.


Ich holte mir eine Tasse Kaffee.

Nun wollte ich mir eine kurze Pause gönnen.

Also drückte ich auf die berühmt-berüchtigte „random-play Taste“ meines Rechners.


Es fing mit einem seltsam klingenden „white-noise“ an, dann eine sehr markante Stimme, es war ein Song von James Bay. Der Titel: Let it go.


Du hast eine merkwürdige Art zu antworten, dachte ich mir und hörte zu.

Dann die erste Textstelle die mir eine Gänsehaut verschaffte.

„Holding something we don't need.

All this delusion in our heads

is gonna bring us to our knees.

So come on, let it go…”


Jetzt hatte mich der Song komplett gefangen, die Stimme des Sängers tat sein weiteres, die fast schon Litanei-artigen Tonabläufe ebenfalls. Dann kam auch schon die nächste Textstelle:


“I used to recognize myself.

It's funny how reflections change

when we're becoming something else.

I think it's time to walk away.

So come on, let it go

Just let it be…“


Mir entglitt beim Zuhören nur noch ein leises wow, aber es sollte noch weiter gehen.


„Everything that's broke,

leave it to the breeze,

let the ashes fall…”


Diese Botschaft verfing erst einmal - sie beschäftigte mich den gesamten Vormittag über.

Immer wieder fuhren jetzt diese Textfragmente Achterbahn in meinem Kopf.


Es wurde Mittag, wann immer möglich meine liebste Lesepause.

Heute Psalm 55. Jetzt spürte ich auf einmal mein Herz laut pochen, aber was hatte ich erwartet? Der Herr neigt zu Überraschungen.

Ich kam mir vor, wie in so einem Don Camillo-Film.


Mein Gedanken-Impuls nach dem Lesen des Psalms:


Lass endlich los, Sascha, lass es ziehen.

Du hast Dich verstrickt.

Irre nicht mehr länger mit und in Deiner Vergangenheit umher,

löse Deine Gedanken von ihr, dann kommt von dort kein Kummer mehr.

Denn der eine, er wird Dir immer zuhören, er geht immer neben Dir, in der Lebendigkeit Deines Seins im Hier und Jetzt, auf Deinem Weg zum Frieden, mit Dir und in ihm.


Denkt sich leicht, wird mit Sicherheit aber nicht so einfach sein, aber ich arbeite daran.


Und so möchte ich Euch allen heute nur dringend raten:

Ab und an mal laut Klagen ist heilsam, heilsam auf dem Weg beim


Wachsen im Glauben...

© Photo Sascha Nikolas Berger






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