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  • AutorenbildSascha Nikolas Berger

Wer findet nicht gerne einen Schatz?

Predigt-Impuls zur Wort-Gottes Feier am 30. Juli 2023, St. Albertus, Mainz

Lesejahr A

Mt. 13, 44-46


Ich weiß nicht, wie es ihnen mit diesem Gleichnis geht.

Vieles an Interpretationen habe ich dazu schon gehört.

Von den Überraschungsmomenten des Zufalls, vom Suchen des Menschen, sogar schon Interpretationen von der "Schlitzohrigkeit" des Schatzfinders, weil er dem Besitzer des Ackers vor dem Kauf nichts vom gefundenen Schatz berichtete.

Aus gewissen Betrachtungswinkeln passten diese Interpretationsansätze immer wieder.


Ich möchte dieses Gleichnis heute gemeinsam mit Ihnen aber einmal aus einer anderen Perspektive betrachten.


Wie wäre es denn, wenn wir nicht diejenigen wären, die den Schatz finden, sondern wenn wir der gefundene Schatz wären? Also wenn jede Person hier im Raum dieser vergrabene Schatz wäre.

Gut, wir wachsen jetzt nicht unbedingt auf oder in einem Acker - wir leben allerdings auf dieser Erde, in dieser Welt. Auch auf ihr kann man sich finden lassen.


Wenn wir uns jetzt miteinander vorstellen würden, der Finder dieses Schatzes ist niemand geringeres als Gott selbst – Sie kennen mich mittlerweile ja ein wenig, an dieser Stelle hatte ich bei meinem Gedankenspiel erst einmal ein breites Grinsen auf dem Gesicht. In einem ersten naiven Impuls hatte ich das Bild einer älteren Person mit einem dieser piepsenden Metalldetektoren über die Felder schleichend im Kopf. Das ist natürlich Quatsch.


Doch bleiben wir gemeinsam bei diesem Perspektivwechsel.

Der Mensch als Schatz und Gott als der Schatzfinder.

Mit einem Male bekommt dieses Gleichnis doch eine neue Tiefe,

oder etwa nicht?


Gott setzt all sein Hab und Gut ein, um uns, den Schatz, zu sich zu holen.

Wie wertvoll und wichtig müssen wir für Gott sein, dass er alles dafür gibt, uns bei sich zu haben? Wie wertvoll sind wir als einzelne Menschen für Gott?

Jede/Jeder einzelne von uns – ohne einen einzigen Unterschied.

Ist das nicht eine wunderbare Perspektive und vor allen Dingen auch eine spannende Frage?


Wenn wir unser eigenes Schimmern als solch ein Schatz auch immer wieder in allen anderen Menschen, die uns begegnen sehen, wenn wir den göttlichen Schatz im jeweiligen Gegenüber sehen, dann spielt es auch keine Rolle mehr, wo wir herkommen, wer wir vermeintlich sind, welcher Geschlechterrolle wir uns zugehörig fühlen.

Wir alle sind Schätze Gottes.


Jetzt könnten wir meinen, Schätze müssen gehegt und gepflegt, am besten gar gut versteckt und gut behütet werden, am besten vor den anderen versteckt werden. Wer aber einmal mit kleineren Kindern eine Schatzsuche – zum Beispiel bei einem Kindergeburtstag – organisiert hat, der kann sich mit Sicherheit auch an das Strahlen in den Gesichtern der Kinder erinnern, als der Schatz endlich gefunden wurde. Oder denken Sie einfach einmal einen Moment lang daran wie sie sich gefühlt haben, als sie etwas schon lange verloren Geglaubtes wiedergefunden haben.


Halten sie diese Bilder einen Moment lang im Herzen und gehen sie damit in die kommende Woche. Gehen sie hinaus auf die Äcker dieser Welt, schimmern sie, glänzen sie, lassen sie sich von anderen finden.


Teilen sie sich mit den anderen. teilen sie ihre Freundlichkeit, teilen sie ihren Tisch, teilen sie ihre Zeit, teilen sie ihre Liebe, teilen sie ihr „Sein.“ Wir dürfen darauf bauen, in der Nähe Gottes zu Leben; als sein Schatz, getragen in seiner Liebe.


Wenn wir uns als solchen Schatz verstehen, dann teilen wir in all unserem Handeln immer auch ein Stück der Liebe Gottes.


Das klingt nach einer Menge Verantwortung, aber ist das nicht ebenfalls auch ein riesiger Schatz?


Es ist nie zu spät, Schätze zu suchen...


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