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  • AutorenbildSascha Nikolas Berger

Berufung mal ganz anders - Ein Gedanke zum Tage...

Eine Tasse Kaffee, ich mit mir allein.

Ich bin immer wieder erstaunt,

wie gut ich mit mir allein sein kann.

 

Als Kind sah das nämlich ganz anders aus,

da wurde ich förmlich ins Alleinsein geprügelt.

Schmerzhaft, grausam, radikal.

Es wurde weggesehen, obwohl man es nicht hätte übersehen können.

 

Meine Hölle damals: ein dunkler Raum.

Kein Fenster, kein Licht - stockduster - schwarz.

Eingesperrt; der Lichtschalter nur von außen zu erreichen.

Ich mag heute noch keine absolute Dunkelheit.

 

Eine zerbrochene Welt und in ihr eine gebrochene Kinderseele.

Meine gebrochene Seele.

Ich, gefühlt ganz allein mit mir,

blaue Flecken auf dem Körper und Kratzer und Brüche auf der Seele.

 

„Zeit heilt alle Wunden“ - wird gesagt.

„So ein übergriffiger Quatsch“ - sage ich. 



 

Meine Rettung war meine Freiheit, 


die Freiheit, in die ich gegangen bin, die sich mir mit einem Mal bot.

Welch großartiges Geschenk.

Alles habe ich hinter mir gelassen, bin einfach weggegangen,

habe Brücken eingerissen, Spuren verwischt.

 

Diesen Teil von mir immer wieder anzusehen,

ihn nicht mehr zu verdrängen,

ihn endlich benennen zu können, nicht mehr verstecken zu wollen,

dass erst hat dem Schrecken die Macht genommen,

dass erst hat mich wieder Heil werden lassen.

 

Die blauen Flecken sind mittlerweile verschwunden,

die Kratzer auf der Seele sind geblieben, sind vernarbt.

Narben, die mich immer wieder daran erinnern, niemals wegzusehen.

 

Die mich daran erinnern,

wie sich Schmerz anfühlt,

Wie sich Ungerechtigkeit und Hilflosigkeit anfühlt,

die mich spüren lassen, wie es ist, wenn weggesehen wird.

 

Diese Narben sind meine sensitiven Antennen geworden,

sie sind mein Geschenk;

zugegeben, ein Geschenk für einen hohen Preis.

Doch genau deshalb sind sie mir wert und wichtig, sind sie mir wertvoll.

Hinsehen - Einmischen - Ungerechtigkeiten aufdecken - Gegen das Dunkel angehen - Zuhören - Mitfühlen - Hände reichen - Helfen - Ein Licht sein - Wärme spüren lassen -


Ganz schön viel Auftrag für eine vernarbte Seele.

Doch ich habe meinen Frieden mit meinen Narben geschlossen und

wir arbeiten gut zusammen - finde ich.

 

Ab und an, so wie heute,

sitzen wir zusammen bei einer Tasse Kaffee

und sprechen miteinander.

 

Dann erst merke ich immer wieder,

wer da mit mir an meiner Seite durch meine kindliche Hölle gegangen ist,

mit wem ich da spreche und dass unser gemeinsamer Weg, den er begleitet, noch lange nicht zu Ende ist. Da kommt noch etwas. Gut so...

 

Ich schaue aus dem Fenster,

ein durchwachsener Tag zieht auf, die Sonne hat Mühe, durch die Wolken zu brechen doch der Frühling naht spürbar,

ist unaufhörlich auf seinem Weg.


In meinem Kopf formt

sich ein versöhnliches Haiku zum Abschluß.

 

 

Dunkel war der Schmerz

doch die blühende Kirsche

bedeckt das Alte.




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