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  • AutorenbildSascha Nikolas Berger

Und in all dem ein Herz...

Ein Gedanke zum Hirten-Evangelium [Lk 2, 15-20] „Maria aber bewahrte all diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen“ [Lk 2, 19]

 

Ich versuche mir immer wieder vorzustellen, wie es Maria wohl ergangen sein muss. Hochschwanger auf dem Weg nach Betlehem, dann keine adäquate Unterkunft gefunden, dann einen Sohn geboren und dann auf einmal fremde Männer um sie herum, die ihr auch noch einmal erzählten, dass Engel ihnen verkündet habe, ihr Sohn sei der Christus, der Messias [Lk 2, 11-12]. Da lag sie nun also, mit dem Bewusstsein, die Erfüllung der Hoffnung des gesamten jüdischen Volkes in dieser Nacht geboren zu haben. Ich glaube, ich an Marias Stelle hätte das alles vermutlich nicht verkraftet. Mir wäre das alles zu viel geworden.

 

Der verheißene König [Lk 1, 32] der Welt kam in aller Einfachheit auf die Welt, vermutlich eine kalte und finstere Nacht. So alles andere als unser geliebtes „heimelig“ und mit Sicherheit auch ganz anders als die bildlichen Verklärungen mancher Krippe uns glauben machen möchte.

Der König der Könige [Offb 19, 16] liegt in einer einfachen Futterstelle.
 Kein Palast, kein Bad, kein Arzt, kein Hofstaat.

Kein Schnörkel, keine Privilegien, nichts.

Nur Maria, Joseph und Jesus;

Fremde Menschen und eine Botschaft.

Und der Einfachheit all dessen verleiht Maria nun das größtmögliche Geschenk – Einen würdevollen Raum!

 

Sie öffnet ihr Herz und nimmt all das auf, was in dieser Nacht geschah, ihr erzählt wurde. Sie zweifelt nicht, sie stellt nicht in Frage. Sie macht ihr Herz damit zu einem Heiligen Ort. Welch starker Ausdruck ihres Glaubens, welch starker Ausdruck ihrer Beziehung zu ihrem Sohn und ja, auch zu ihrem Gott, unserem Gott. Sie macht ihr Herz zu einem Tempel; einen Tempel der Beziehung zu Gott. Ein Ort, an dem man sich immer wieder stärken kann, aus dem man heraus immer wieder neu Leben kann. Den deshalb auch wir nicht verschließen sollten.

 

Ein bekannter US-amerikanischer Sänger hat einmal ein mich sehr bewegendes Lied geschrieben. Ein Lied in dem es um eine gescheiterte Beziehung geht, also so gar kein klassisches Weihnachtslied. Aber es findet sich eine ganz bemerkenswerte Textstelle darin, gleich am Anfang heißt es: In every heart there is a room, a sanctuary safe and strong… [Billy Joel – And so it goes]

Wenn ich mir erlauben darf, es sinngemäß zu übersetzen:

In jedem Herzen gibt es einen bestimmten Raum, 
so ein Heiligtum, wo man sicher ist, wo man sich stark fühlt.

 

Wir alle tragen dieses Heiligtum in uns, welch ein wunderbares Geschenk. Dieses Heiligtum gilt es aber auch zu pflegen; es gilt, gut dafür zu Sorgen. Gefahren lauern allenthalben. Erst in der jüngsten Zeit schossen wieder einmal „vergiftete Pfeile“ in Richtung unseres Heiligtums – Was auf den ersten Blick so positiv anmutet, ist auf den zweiten Blick eine wiederholte Verletzung – oder kann mir jemand von von Euch erklären, was außer einem weiteren Stich ins Herz „irreguläre Beziehungen“ sein sollen? Mich verletzt solch Ausdruck eines mir fremden Denkens, sehr sogar. Und er passt so gar nicht zur „menschgewordenen göttlichen Würde“ der Heiligen Nacht. Auch Neid, Missgunst, Ressentiments gegen alles Fremde vergiftet unser Herz und auch unser Denken - wenn wir nicht aufpassen. Diskriminierungen sind schnell vollzogen, schauen wir nur auf die gesellschaftlichen Debatten rund um das Gendern, auf die gerechte Teilhabe aller an dieser Welt, an den Umgang mit den Vertretern der letzten Generation, die uns immer wieder unseren Raubbau an dieser Welt vor die Augen führen wollen. Auch so manche Stammtischparole lässt mich erschüttert zurück, vor allen Dingen, wenn sie keinen Widerspruch erfährt. Denn mit all diesen Ausgrenzungen und Abgrenzungen baut sich eine Mauer um unsere Herzen ggfs. immer höher; und das ist so alles andere als das liebevoll offene Herz Marias. Ein offenes Herz empfängt, unvoreingenommen, es liebt, es lebt, es lässt lieben und leben. Es ist heilig und heiligt damit seinen Träger.                             

So wünsche ich euch offene Herzen, um die große Würde in dem Geschehenen zu erkennen, den eigenen Anteil daran aufzunehmen und zu bewahren. Daran immer wieder neu stark zu werden, einen Ort zu haben, an dem immer wieder in Beziehung getreten werden kann.

Mit sich, seinen Mitmenschen, mit Christus.

Einen Ort, an dem ich mir immer wieder bewusst machen darf und kann, welchen Anteil an göttlicher Würde auch mir innewohnt durch die Menschwerdung Gottes, egal ob meiner Herkunft, egal ob reich ob arm, egal ob meiner Sexualität, egal ob meines Beziehungsmodells.

Ganz einfach, ganz klar. Ohne dekoratives Beiwerk.

Von Herzen Frohe Weihnachten!   



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