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  • Sascha Nikolas Berger

Fastenzeit II - Unruhe

Aktualisiert: Juni 20

Eindrücke und Themen habe ich dieser Tage wahrlich genug.

Mal reinhören? Bitte sehr: "Ach Sascha, Du und Dein unverbesserlicher Hang zum Glauben..."

"Ach Sascha, die Kirche hat doch eh ausgedient, was interessiert Dich da denn jetzt noch..." "Ach Sascha, was soll denn das, was willst Du denn mit und in diesem hinterwäldlerischen Verein..." "Ach Sascha, jetzt auch noch den ganzen Zirkus mit der Fastenzeit..." Dies sind nur ein paar Beispiele von Sätzen, die mir entgegen schwirren.

Allerdings kommen sie konstant auf mich zugeflogen, aus Ecken, von denen ich sie erwartete und auch aus Ecken, mit denen ich nicht gerechnet hatte. Mitunter strengen diese Fragen/Sätze an.

Manche empfinde ich auch etwas übergriffig. Allerdings sagen solche Sätze auch meist mehr über den Fragenden als über den Gefragten. Szenenwechsel: Ich stehe vor dem Badezimmerspiegel, ich schaue in ein mir sehr vertrautes Gesicht. Müde sehe ich aus, fast schon wie der sprichwörtliche alte Knabe. Aber ich habe mein altes Strahlen wieder in den Augen. Meine kindliche Aufgeschlossenheit ist wieder da, dem Kopf sieht man die schwirrenden Gedanken förmlich an; ein offenes, kein verhärmtes Herz wummert unter meiner Brust. Ich schaue mir tief in die Augen: "Ach Sascha, warum hörst Du Dir all die Fragen auch an?" - frage ich mich selber. "Weil ich die Fragen wichtig und richtig finde, mich bringen sie auf meinem Weg weiter. Mir helfen sie, mir selber Klarheit über mich zu verschaffen." - antworte ich mir selber. Diese Fastenzeit ist wahrlich eine besondere für mich, scheint mir. Es finden viele Themen ihren Weg zu mir, sie hält viele Spannungsbögen für mich bereit. Das Hinterfragen der eigenen Person hatten wir ja bereits angeschnitten. Ein weiteres und mit Sicherheit schmerzhaftes Thema, scheint die Familie zu werden. Es braut sich etwas zusammen, das Thema klopft in den letzten Wochen immer wieder an.

Wir werden sehen, ich bin darauf gefasst.

Es soll, ja es darf kommen. Deshalb mag ich die Fastenzeit, wegen der Unruhe in diesen Wochen.

Meinen kritisch Fragenden möchte ich daher auf ihre obigen Fragen antworten: Glauben, Kirche, alles was dazu gehört ist Unruhe, ist Aufbruch, wie das echte Leben. Unruhe gehört einfach dazu. Warum? Nun, mein Glauben wurde mir geschenkt. Ich musste mich nur darauf einlassen. In dem Moment meiner Einlassung übernahm ich eine Verantwortung aus diesem Glauben, eine Verantwortung für mich und mein Leben, ich hatte den Anfang gefunden, meinen Anfang. So wie jeder für sich selber seinen Anfang finden kann.

In meiner Glaubensbeziehung war bislang alles dabei; kindliche Verklärung und Naivität, Trotz und Aufbegehren, jugendliche Rebellion, bewusst eingenommener Abstand, massive Kritik und kritisches Hinterfragen im Streit, eine einseitig abgebrochene Beziehung und ein langer Weg zurück voller Sehnsucht.

Denn in all der Unruhe fand ich auch immer das Gefühl von Ruhe, ein Gefühl von "getragen sein" - von Geborgenheit.

Ich bin verwoben in alte Rituale und sie mit mir. Rituale, die mich immer wieder durch gute und schlechte Zeiten begleiteten. Eine Beziehung, die immer wieder mit alten und neuen Formen aufwartet, ich bin Mitglied einer globalen Gemeinschaft und wahrlich nicht allein, ich bin verwoben in eine Beziehung zu "ihm" - Deshalb. Auf meinen Schreibtisch liegt ein Studienbuch für die nächsten Tage, mein Blick wandert darüber. Es trägt den Titel " Gottes Dasein denken" - ein Schmunzeln überkommt mich.

Ich lese noch einmal die vorherigen Zeilen und weiß, ich muss mir dieses Dasein nicht denken, ich spüre es, besonders dieser Tage in einer wahrlich besonderen Fastenzeit.


Mein Blick streift das Fenster, in dem ich mich spiegele. Es scheint, ich habe mir grade freundlich zugezwinkert.


Ach, wenn unser eigener Glaube nur viel größer wäre...

Photo © Sascha Nikolas Berger

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