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  • Sascha Nikolas Berger

Nur ein Kreuz?!

Zeit für mein Morgenritual.

Neben mir auf einem kleinen Tisch liegt ein kleines Kreuz.

Es ist nur ein kleines Kreuz, aber für viele ist ein solches Kreuz mittlerweile leider eine große Provokation geworden.

Mir jedoch bedeutet es sehr viel, besonders dieses Kreuz auf dem Foto, in vielerlei Hinsicht.

Da ist zum einen die Tatsache, dass es mir vor 27 Jahren geschenkt wurde, von einer Person der ich, trotz Distanz sowohl im Denken als auch räumlich, über all die Jahre immer verbunden war und bin; zum anderen natürlich die Tatsache, dass dieses Kreuz in den letzten 27 Jahren mir eine gute und stete Begleitung war, in frohen und in schwierigen Zeiten. Mal war es mir näher, mal entfernter, mal lag es direkt sichtbar auf meinem Schreibtisch, manchmal eine Zeitlang im Bücherregal und manches Mal auch bewusst aus dem Blick gelegt und dennoch war es immer da.

Heute Morgen sitze ich mit Blick in den Garten und viele Gedanken gehen mir durch den Kopf. Ich schaue auf die alten Bäume und die Römersteine (Das sind die Reste eines römischen Aquädukts hier in Mainz). Die Steine stehen seit etwa 70. nach Chr. hier und sie stehen immer noch, zwar "nur noch" die "Innenfutter" der Bogensäulen, aber immerhin.

Da sind meine vergangenen 27 Jahre noch nicht einmal ein Blinzeln im Zeitstrahl der Geschichte. Ich blicke auf die Bäume, gut, sie sind sicherlich auch schon ein paar Jahrzehnte alt aber im Vergleich zu den Steinen nicht mehr als Jungspunde.

Fest stehen sie da, satt im Grün, tief verwurzelt.

Fast scheint es, als bewachen sie die Reste des Aquädukts;

hübsch anzusehen, aber eben auch unbeweglich.

Der letzte Gedanke bringt mich zurück zu "meinem Kreuz" mit dem Lebensbaum und formt einen neuen Gedanken.

Auch ich fühle mich verwurzelt, sogar fest verwurzelt, aber anders als ein Baum in der Erde. Ich fühle mich verwurzelt in "Ihm", beständig aber nicht starr und fest wie in einem Stück Boden. Meine Verwurzelung in "Ihm" hält mich eher beweglich, agil, flexibel, trotz der starken Wurzeln, vielleicht aber auch genau wegen dieser starken Wurzeln.

Und als ob es eine subtile Botschaft sein soll, läutet die Glocke einer nahen Kirche.

Ein weiterer Gedanke formt sich in meinem Kopf, diesmal dreht er sich um den sogenannten "Pastoralen Weg" hier im Bistum Mainz.

Besonders in den Mainzer Stadtgemeinden gibt es den ein oder anderen Widerstand gegen größere Pastoralräume. Wir befinden uns erst an Anfang dieser Transformation, aber bereits jetzt ist die Diskussion darum recht stark. Da werden Sätze formuliert, in denen von "Entwurzelung" gesprochen wird. Hier schließt sich für heute ein Kreis für mich mit einigen Fragen:

Von welchen Wurzeln redet man dort?

Worin ist man verwurzelt?

Verwurzelt in ein Gebäude aus Steinen, in eine festgelegte Ortsgemeinde?

Verwurzelt in priesterliche Verbindungen?

Verwurzelt in einer persönlichen Komfortzone?

Die zentrale Frage am Ende bleibt für mich allerdings:

Worin wurzelt mein persönlicher Glaube und wie beweglich bin ich, diesen durch mein Leben zu tragen?

Ob Thomas vor 27 Jahren geahnt hat, als wir uns auf unterschiedlichen Wegen von Mainz aus durch das Leben aufgemacht haben, dass dieses kleine Kreuz einmal derartige Fragen aufwirft und wir uns in Mainz wiederfinden und er ein Teil dieses Transformationsprozesses sein wird?


Fragen helfen beim...


Wachsen im Glauben.






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